SGLT2-Inhibitoren: Ein neues Mittel zur Verlangsamung des Nierenverfalls bei IgA-Nephropathie

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IgA-Nephropathie (IgAN), eine Erkrankung, bei der sich Antikörper in den Nieren ansammeln und eine Entzündung verursachen, betrifft Menschen unterschiedlich. Manche leben jahrelang mit leichten Symptomen, während andere schnell Nierenschäden erleiden. Die derzeitige Behandlung basiert auf der Kontrolle des Blutdrucks, Anpassungen des Lebensstils und manchmal auf Steroiden zur Behandlung von Entzündungen. Jüngste Forschungsergebnisse deuten jedoch auf einen überraschenden Verbündeten beim Schutz der Nierenfunktion hin: Natrium-Glukose-Cotransporter-2 (SGLT2)-Hemmer, Medikamente, die ursprünglich für Typ-2-Diabetes entwickelt wurden.

Wie SGLT2-Inhibitoren wirken: Über die Blutzuckerkontrolle hinaus

SGLT2-Hemmer – darunter Dapagliflozin (Farxiga), Empagliflozin (Jardiance) und Canagliflozin (Invokana) – blockieren ein Protein in den Nieren, das Zucker zurück in den Blutkreislauf aufnimmt. Dadurch gelangt überschüssiger Zucker in den Urin, was bei Diabetikern zu einer Senkung des Blutzuckers führt. Aber Forscher fanden heraus, dass diese Medikamente auch den Rückgang der Nierenfunktion verlangsamten, selbst bei Patienten ohne Diabetes.

Klinische Studien bestätigen diesen Nutzen. Studien zeigen, dass die Zugabe von Dapagliflozin zur Standardbehandlung das Risiko des Fortschreitens der Nierenerkrankung verringerte und den Proteingehalt im Urin um etwa 26 % senkte. Empagliflozin führte bei verschiedenen Nierenerkrankungen zu ähnlichen Ergebnissen: Es verlangsamte den Nierenverfall um fast die Hälfte und reduzierte die Proteinurie um 15 %. Dies bedeutet für viele Patienten eine Verzögerung oder Vermeidung von Dialyse und Nierentransplantationen.

Warum das wichtig ist: Ein Wandel in der Behandlung von Nierenerkrankungen

Jahrzehntelang konzentrierte sich die IgAN-Behandlung auf die Behandlung von Symptomen. SGLT2-Hemmer bieten einen neuen Ansatz: Direkte Erhaltung der Nierenfunktion. Experten wie Pranav Garimella, MBBS, MPH betonen, dass diese Medikamente keine Heilung, sondern eine wichtige Ergänzung zu bestehenden Therapien darstellen.

Der Mechanismus geht über die Glukosekontrolle hinaus. SGLT2-Hemmer reduzieren den Druck in den Filtereinheiten (Glomeruli) der Niere und entlasten so die Nieren. Sie reduzieren auch den Proteinverlust und verhindern so Narbenbildung, die die Nierenfunktion verschlechtert. Diese Vorteile treten auch ohne Diabetes auf.

Wer kann davon profitieren? Und was sind die Risiken?

Die meisten IgAN-Patienten mit anhaltender Proteinurie trotz Standardbehandlung qualifizieren sich möglicherweise für SGLT2-Inhibitoren. Die Teilnahmeberechtigung hängt von der Nierenfunktion (normalerweise eine eGFR über 20–25) und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab. Allerdings ist Vorsicht geboten bei Personen, die zu Harnwegsinfektionen, Dehydrierung oder niedrigem Blutdruck neigen.

Obwohl SGLT2-Hemmer im Allgemeinen gut verträglich sind, bergen sie Risiken:

  • Genital- und Harnwegsinfektionen: Erhöhter Zucker im Urin fördert das Wachstum von Hefen und Bakterien.
  • Dehydration: Häufiges Wasserlassen kann zu einem Flüssigkeitsungleichgewicht führen.
  • Niedriger Blutdruck: Kann Schwindel oder Ohnmacht verursachen, insbesondere in Kombination mit anderen Medikamenten.
  • Seltene, aber schwerwiegende Komplikationen: Ketoazidose und schwere Hautinfektionen (Fournier-Gangrän) erfordern sofortige ärztliche Hilfe.

Das Fazit: Eine vielversprechende, aber nicht risikofreie Option

SGLT2-Inhibitoren stellen einen bedeutenden Fortschritt im IgAN-Management dar. Sie bieten neben bestehenden Behandlungen eine neue Möglichkeit, die Nierenfunktion zu schützen. Allerdings sind eine sorgfältige Patientenauswahl, das Bewusstsein für mögliche Nebenwirkungen und eine engmaschige Überwachung von entscheidender Bedeutung. Wenn Sie IgAN haben, besprechen Sie diese Option mit einem Nephrologen, um festzustellen, ob sie für Sie geeignet ist.


Quellen: